Worum geht es in Deinem neuen Buch?

In meinem neuen Buch geht es darum, dass Frauen endlich lernen, für sich selbst einzustehen. Noch immer sind es überwiegend Frauen, die sich zuerst um andere kümmern – und sich selbst ans Ende der To-do-Liste setzen. Ein Platz, der dann oft entweder lieblos behandelt oder ganz gestrichen wird. Das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Muster.Viele Frauen fordern nicht. Weder im Kleinen – wie beim falschen Essen im Restaurant – und schon gar nicht im Großen: im Job, in Beziehungen oder in finanziellen Fragen. Dieses Buch ist ein Gegenentwurf dazu. Ich zeige Frauen, dass sie Forderungen stellen dürfen – und müssen. Dass ihr Wert nicht davon abhängt, wie viel sie für andere leisten. Und dass Fürsorge für andere nicht Selbstaufgabe bedeuten darf. Als Scheidungsanwältin sehe ich täglich die Konsequenzen: Frauen, die jahrelang Care-Arbeit übernommen, ihre Karriere zurückgestellt und ihre eigenen Bedürfnisse ignoriert haben – und am Ende mit leeren Händen dastehen. Emotional, strukturell und oft auch finanziell. Mein Buch stellt unbequeme Fragen:

  • Was ist eine faire Partnerschaft wirklich?

  • Was bedeutet Augenhöhe – jenseits von romantischen Floskeln?

  • Wann ist es sinnvoll zu gehen, statt weiter zu hoffen?

  • Warum ist die vermeintliche „Vereinbarkeit“ eine der größten Gesellschaftslügen unserer Zeit. 

  • Und warum sind Unabhängigkeit und Absicherung kein Widerspruch, sondern Voraussetzung für echte Freiheit?

Es geht auch um eine der grundlegendsten Entscheidungen im Leben: Kinder – ja oder nein? Und um ein Thema, das viele verdrängen: den Ehevertrag – und warum er kein Misstrauensvotum ist, sondern Selbstschutz. Kurz gesagt: Dieses Buch ist eine Einladung, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen – ohne sich dafür zu entschuldigen.

Wer sollte es lesen?

Dieses Buch richtet sich an alle Frauen ab 18. Nicht, weil jede in einer Trennung steckt – sondern weil jede früher oder später mit genau diesen Fragen konfrontiert wird: Selbstwert, Abgrenzung, finanzielle Unabhängigkeit, Rollenverteilung, Lebensentscheidungen.

Es ist kein reines Scheidungsbuch. Familienrecht spielt eine Rolle, aber eher als Realitätstest. Es zeigt, wie die Dinge im Ernstfall tatsächlich laufen. Und genau daraus ergibt sich die Dringlichkeit, frühzeitig anders zu entscheiden. Das Buch ist für Frauen, die spüren, dass sie sich selbst zu oft zurücknehmen. Für Frauen, die funktionieren aber nicht wirklich gestalten. Und auch für diejenigen, die glauben, sie hätten „alles im Griff“, aber nie gelernt haben, klare Forderungen zu stellen. Und ganz ehrlich: Einen Selbstbewusstseins-Boost braucht jede Frau.

Woher kam die Inspiration?

Die Inspiration kam aus meiner täglichen Arbeit als Anwältin und aus meiner Aufklärungsarbeit in den sozialen Medien.  Ich sehe hier immer wieder, wie tief falsche Glaubenssätze sitzen und wie niedrig viele Frauen ihre eigenen Standards ansetzen. Sie arrangieren sich mit dem bare Minimum, statt einzufordern, was ihnen zusteht. Ein zentrales Muster: Frauen wollen nicht „unangenehm“ sein. Sie vermeiden Konflikte, relativieren ihre Bedürfnisse und stellen Harmonie über ihre eigenen Interessen. Das Problem dabei ist vor allem, dass diese Strategie kurzfristig funktioniert, aber langfristig Frauen den Preis dafür zahlen. Emotional, strukturell und sehr oft auch finanziell. Was mich dabei besonders beschäftigt ist, dass es selten an Intelligenz oder Kompetenz fehlt. Es fehlt am inneren Maßstab. Am Selbstverständnis, dass die eigenen Bedürfnisse legitim sind. Der entscheidende Hebel ist nicht nur Wissen, sondern Haltung.

Dieses Buch ist deshalb kein reines Sachbuch – es ist ein Perspektivwechsel: Frauen sollen ihren eigenen Wert erkennen, ihn nicht relativieren – und daraus konkrete Entscheidungen ableiten.

Was ist der häufigste Fehler, den Deine Mandantinnen in Beziehungen machen – und warum passiert er immer wieder?

Der häufigste Fehler ist nicht „zu viel Vertrauen“ – das wäre zu simpel. Der eigentliche Fehler ist einseitiges Vertrauen ohne strukturelle Absicherung. Viele Frauen gehen davon aus, dass die Beziehung stabil bleibt und treffen darauf basierend Entscheidungen: beruflich zurückstecken, finanzielle Verantwortung abgeben, Vermögen nicht absichern. Das Problem ist nicht Vertrauen an sich. Das Problem ist, Vertrauen nicht mit Eigenverantwortung zu kombinieren.

Hinzu kommt ein zweites Muster: Frauen passen sich stark an den Partner an, oft schleichend. Entscheidungen werden nicht mehr aus der eigenen Perspektive getroffen, sondern aus der Logik der Beziehung heraus. Wenn es dann zur Trennung kommt, wird sichtbar, was vorher ausgeblendet wurde: Abhängigkeiten, fehlende Absicherung, fehlende Durchsetzung. Diese Dynamiken sind sozial erlernt. Frauen werden eher darauf trainiert, Beziehungen zu stabilisieren – nicht darauf, ihre Position innerhalb der Beziehung zu sichern.

Und was überrascht Deine Mandantinnen am häufigsten, wenn es ernst wird (Trennung, Scheidung etc.)?

Viele Frauen sind überrascht, wie wenig „automatisch gerecht“ das System funktioniert. Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Vorstellung, dass im Fall einer Scheidung alles einfach 50:50 geteilt wird. Das stimmt so nicht, weder rechtlich noch praktisch. Ja, es gibt Ansprüche. Aber Ansprüche bedeuten nicht, dass sie reibungslos oder ohne Konflikt durchgesetzt werden. Gerade Frauen, die in klassischen Rollenmodellen gelebt haben, erleben oft einen Realitätsbruch: Sie haben jahrelang investiert, in Familie, in Care-Arbeit, in den gemeinsamen Alltag und stellen dann fest, dass diese Leistungen nicht automatisch zu einer gleichwertigen Absicherung führen.

Ein zweiter Schockmoment: Viele unterschätzen, wie stark der Ausgang davon abhängt, wie konsequent der andere mitarbeitet oder eben blockiert. Das Recht bietet Instrumente. Aber es ersetzt keine Vorbereitung, keine Klarheit und keine strategische Positionierung.

Warum haben so viele Frauen einen Ehevertrag, der sie nicht absichert?

Ein Teil der Antwort liegt in der Vergangenheit: Eheverträge wurden oft vom wirtschaftlich stärkeren Partner initiiert und Frauen haben unterschrieben, ohne die Tragweite wirklich zu verstehen. Aber das greift heute zu kurz. Das eigentliche Problem ist: Viele Frauen sehen den Ehevertrag nicht als ihr Instrument, sondern als etwas, das „gegen sie“ gerichtet ist. Dadurch stellen sie entweder keine eigenen Forderungen, oder sie prüfen bestehende Regelungen nicht kritisch genug. Hinzu kommt ein strukturelles Ungleichgewicht: Wer wirtschaftlich stärker ist, hat meist auch mehr Erfahrung im Umgang mit Verträgen, Vermögen und Verhandlungssituationen. Wenn auf der anderen Seite kein gleichwertiges Verständnis vorhanden ist, entsteht ein Vertrag, der formal möglicherweise einvernehmlich ist, aber inhaltlich einseitig. Die unbequeme Wahrheit ist:

Ein Ehevertrag schützt nicht per se. Er schützt nur dann, wenn beide Seiten verstehen, was sie vereinbaren und ihre Interessen aktiv einbringen.

Du hast im Buch zahlreiche Coaching-Tipps für Frauen. Welchen willst Du schon hier empfehlen?

Der wichtigste Tipp ist aus meiner Sicht: Entscheide dich immer für dich selbst.

Wenn du in eine Situation kommst, in der du dich zwischen dir und einer anderen Person entscheiden musst, dann darf die Antwort am Ende nur dich selbst beinhalten. Menschen kommen und gehen – Partner, Freunde, selbst enge Bezugspersonen. Am Ende bist du die einzige Konstante in deinem eigenen Leben. Wenn du dich verlierst, hast du nichts mehr, worauf du aufbauen kannst.

Mein zweiter wichtiger Tipp ist: Gib niemals deine eigene Identität auf. Eine Beziehung kann nur funktionieren, wenn zwei eigenständige Persönlichkeiten aufeinandertreffen, nicht, wenn eine sich selbst auflöst.

Und drittens: radikale Ehrlichkeit. Wer sich selbst gegenüber ehrlich ist, ohne sich Geschichten vom perfekten Leben zu erzählen und den Mut hat, daraus Konsequenzen zu ziehen, hat einen entscheidenden Vorteil. Die meisten Probleme entstehen nicht durch falsche Entscheidungen, sondern durch Selbsttäuschung.

Gibt es aus Deiner Sicht einen „richtigen“ Zeitpunkt zum Heiraten?

Einen universell „richtigen“ Zeitpunkt gibt es nicht. Aber definitiv einen falschen: Wenn du uninformiert und überstürzt heiratest, ohne die rechtlichen und finanziellen Konsequenzen zu verstehen.  Die Ehe ist nicht primär ein romantisches Konstrukt, sondern in erster Linie ein rechtlicher Vertrag mit wirtschaftlichen Folgen. Wer das ignoriert, trifft keine Liebesentscheidung, sondern eine riskante Entscheidung ohne ausreichende Informationsbasis. Mein Anspruch ist, dass Frauen verstehen, worauf sie sich einlassen und dann bewusst entscheiden. 

Welche Überlegungen würdest Du einer Frau mitgeben, die Mutter werden möchte?

Das ist eine der folgenreichsten Entscheidungen überhaupt. Und ehrlich gesagt: Unvorbereitet in die Mutterschaft zu gehen, ist noch viel gravierender als unvorbereitet zu heiraten. Kinder verändern dein Leben dauerhaft. Es gibt ein Leben davor und ein Leben danach. Und in der Realität tragen Frauen in den allermeisten Fällen die Hauptverantwortung, emotional, organisatorisch und häufig auch finanziell. Ja auch im Jahr 2026! Als Frau kannst du nicht einfach nochmal von vorne anfangen. Du bist für immer verantwortlich. Das bedeutet nicht, dass man keine Kinder bekommen sollte.

Aber es bedeutet, dass man diese Entscheidung nicht romantisieren darf. Sie braucht Klarheit, Weitsicht und ein Verständnis der Konsequenzen. Vor allem auch die rechtlichen. 

Du sprichst im Buch vom sogenannten „Auswahlverschulden“ bei der Partnerwahl – was bedeutet das konkret?

Der Begriff ist im juristischen Sinne umstritten, aber als Denkmodell halte ich ihn für extrem wichtig. Konkret heißt das zum Beispiel: Du hast dir den Vater deines Kindes ausgesucht. Wenn sich diese Person später als schwierig, unzuverlässig oder destruktiv herausstellt, bist du in vielen Fällen trotzdem dauerhaft an sie gebunden, insbesondere durch gemeinsame Kinder. Das ist keine moralische Schuldzuweisung, sondern ein Hinweis auf Konsequenzen. Nicht jede Entscheidung im Leben lässt sich korrigieren. Viele treffen diese Wahl nicht bewusst, sondern aus Druck, Angst vor dem Alleinsein oder weil „es jetzt halt passt“. Mehr Bewusstsein, mehr Eigenverantwortung – und vor allem mehr kritische Prüfung, bevor man irreversible Entscheidungen trifft, ist das, was wir dringend brauchen.

Hat sich Dein eigener Blick auf die Liebe oder die Ehe durch Deine Arbeit verändert?

Ich war schon immer eher realistisch. Aber meine Arbeit hat mir gezeigt, wie selten dieser Realismus tatsächlich gelebt wird. Eine funktionierende Ehe basiert nicht auf Gefühl allein, sondern auf einem funktionierenden Team. Und genau das fehlt in vielen Beziehungen: Es wird nicht als Team agiert, sondern gegeneinander oder nebeneinander. Ich weiß heute mehr denn je: Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern vor allem eine Entscheidung. Und Entscheidungen können jederzeit neu getroffen werden, das ist gleichzeitig ihre Stärke und ihre größte Unsicherheit.

Warum sprechen wir so wenig über die Risiken – aber permanent über die Ideale?

Wir romantisieren Ehe und Mutterschaft gesellschaftlich extrem, während wir die strukturellen, rechtlichen und finanziellen Konsequenzen oft ausblenden. Die eigentliche Frage müsste lauten: Warum wird Aufklärung in diesen Bereichen oft als „unromantisch“ oder sogar als störend empfunden? Denn genau diese fehlende Aufklärung ist es, die später zu den größten Problemen führt.

Und last but not least: Wer zahlt beim ersten Date die Rechnung?

Der Mann. Und bevor jetzt jemand mit Gleichberechtigung argumentiert: Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass jede soziale Dynamik identisch sein muss. Ich halte es für ein Signal von Initiative und Interesse, wenn der Mann beim ersten Date zahlt. Aber mehr dazu gibt es dann in meinem Buch.

Danke für Deine Zeit, liebe Saskia 😊